Interview mit Professor Fritz Klocke

»Eine Forschungs- und Fertigungsinfrastruktur zur Befähigung der Industrie für die ökonomische und ökologische Produktion von Batteriezellen«

Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Dr. h.c. Dr. h.c. Fritz Klocke, Geschäftsführender Leiter der Forschungsfertigung Batteriezelle
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Dr. h.c. Dr. h.c. Fritz Klocke, Geschäftsführender Leiter der Forschungsfertigung Batteriezelle

Mit der Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) fördern der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen den Aufbau einer Forschungsfabrik für die Batteriefertigung mit insgesamt 700 Millionen Euro, um die Produktion dieser wichtigen Schlüsseltechnologie in Deutschland zu halten und auszubauen. Professor Fritz Klocke, Geschäftsführender Leiter der FFB, berichtet im Interview, welche Ziele und Meilensteine sich das Projektkonsortium gesetzt hat und wie die nächsten Schritte auf dem Weg aussehen werden.

Herr Professor Klocke, warum ist es so wichtig, die Forschungsfertigung Batteriezelle in Deutschland zu fördern und aufzubauen?

In der FFB haben sich Experten aus der Batterieforschung und aus der Produktionsforschung zusammengeschlossen. Wir wollen gemeinsam eine Infrastruktur schaffen, mit der kleine, mittlere und Großunternehmen, aber auch Forschungseinrichtungen, die seriennahe Produktion neuer Batterien erproben, umsetzen und optimieren können. Das ist deshalb so wichtig, weil Stromspeicher zukünftig eine Schlüsseltechnologie sein werden – nicht nur im Automobilbereich und weit über die Anwendungen des Individualverkehrs hinaus. Denken Sie auch an stationäre Stromspeicher in der Haustechnik, an Power Tools oder an Ihr Laptop. Überall dort werden leistungsfähige Stromspeicher gebraucht. Es gibt Prognosen, dass die Nachfrage nach Batterien und Akkus durch diese zahlreichen Anwendungsfelder bis 2030 um den Faktor 15 wachsen wird. Die Kompetenz zur Herstellung dieser Speicher möchten wir deshalb unbedingt in Deutschland halten und mit der FFB in Münster zum europäischen Leuchtturm für die Batterieproduktion werden.

Welche wirtschaftlichen Vorteile verspricht die FFB den hiesigen Unternehmen?

Unternehmen, die mit Speichertechnologien arbeiten, sind auf eine zuverlässige Versorgung an entsprechenden Modulen und Systemen für die Serienfertigung ihrer Produkte angewiesen. Im Moment dominieren asiatische Anbieter den Markt, und der US-Automobilist Tesla, der enorme Kompetenzen im Bereich elektrischer Speicher und Antriebe aufgebaut hat, unternimmt erste Schritte, auch in Deutschland Fuß zu fassen. Deutschland und Europa müssen deshalb dringend eigene Infrastrukturen und Wissen aufbauen, um sich nicht von den globalen Märkten abhängig zu machen. Unser Anspruch ist es schließlich, sowohl die Batterien selbst als auch die erforderliche Fertigungstechnik dafür effizient, ökologisch und ökonomisch nachhaltig und in höchster Qualität zu gestalten – idealerweise zu einem bezahlbaren Preis auch für den Endkunden.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat seit jeher den Anspruch, mit einem Schwerpunkt auf der Industrie, aber eben vor allem auch zum Nutzen der Gesellschaft zu forschen: Wie profitieren die Menschen von Ihrem Vorhaben?

Wir schaffen gemeinsam eine Forschungs- und Fertigungsinfrastruktur, mit der wir die Industrie zu einer ökonomischen und ökologischen Produktion von Batteriezellen befähigen. Das ist dem Bund eine Investition von 500 Millionen Euro wert, und das Land NRW gibt ebenfalls 200 Millionen Euro für Grundstück, Gebäudeerrichtung und Weiterentwicklung der Infrastruktur sowie Nachwuchsförderung dazu. Für die Fraunhofer-Gesellschaft, die das Projekt leitet und koordiniert, ist es selbstverständlich, mit diesen Geldern verantwortungsvoll umzugehen. Zunächst bauen wir auf einem Grundstück von 39 000 m² im Hansa Business Park am Dortmund-Ems-Kanal in Amelsbüren die eigentliche Fabrik auf. Das soll bis Ende 2022 geschafft sein. An den Partnerinstituten bei Fraunhofer, am MEET der WWU Münster und am Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen laufen bereits heute umfangreiche Forschungsarbeiten zu den künftigen Technologieschwerpunkten, die wir dann zu gegebener Zeit räumlich nach Münster überführen werden. Dafür suchen wir schon jetzt in ganz Deutschland und Europa, in Forschung und Industrie, nach Batterie- und Produktionsexperten. Perspektivisch werden wir Arbeitsplätze für 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen, die hier vor Ort tätig sein und in der Region leben werden. Diese werden sowohl in der Produktion und Verwaltung als auch in wissenschaftlichen Bereichen arbeiten.